Die besonders wertvollen Pilze enthalten viele Moleküle mit nachgewiesenen therapeutischen Eigenschaften, wie etwa Polysaccharide, Ballaststoffe, Terpene, Glykoproteine und Vitamine. Innerhalb der Gruppe der Polysaccharide sind vor allem die β-Glukane (Beta-Glukane) zu nennen, bioaktive Verbindungen, die nachweislich auf das Immunsystem wirken und so unsere Immunantwort regulieren. Zudem beeinflussen sie das kardiovaskuläre System und die Entwicklung onkologischer Prozesse.

Beta-glucane Agaricus blazei

Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge sind Beta-Glukane auf wirksame Weise in der Lage, unsere Abwehrmechanismen gegen bakterielle, virale und parasitäre Infektionen zu stimulieren. Darüber hinaus können sie die Immunantwort des Wirtes positiv modulieren. Dies hat Konsequenzen auf den Schutz gegen verschiedene Erkrankungen.

Was sind Beta-Glukane?

Beta-Glukane sind Ballaststoffe, die sich besonders in Pilzen und in Getreide finden. Sie bestehen aus einer langen Kette Glukose-Moleküle, die in einer bestimmten Anordnung (ß-1,3 oder ß-1,6) aneinander gekettet sind. In Pilzen liegt das einzigartige ß-1,3-1,6-Glukan vor, mit zusätzlichen Zuckerresten an den Seiten. Unser Verdauungstrakt kann Beta-Glukane nicht abbauen. Stattdessen werden sie in den Blutkreislauf aufgenommen und wirken dort als “Immunmodulatoren” – beeinflussen also das Immunsystem.

Auch wenn Beta-Glukane hauptsächlich in Lebensmitteln auf Haferbasis vorkommen, sind dies nicht die einzigen Nahrungsmittel; sie finden sich auch in anderen Getreidesorten, Algen und Pilzen. Konkret besitzen Beta-Glukane in Pilzen ein bioaktives Potenzial und durch ihre komplexen Verzweigungen geeignete strukturelle Eigenschaften, die die Bildung von Dreifachhelices (Tripelhelix) fördern, welche wiederum in Zusammenhang mit ihrer antitumoralen Wirkung stehen.

Zu den Nahrungsmitteln, die Beta-Glukane enthalten, zählen:

  • Basidiomyceten (Ständerpilze) wie z. B. Mandelpilz, Igelstachelbart (Hericium erinaceus), Raupenpilz (Cordyceps sinensis), Schmetterlingstramete (Coriolus versicolor), Reishi, Shiitake, Maitake, Coprinus, Polyporus …
  • Cerealien wie Gerste, Hafer, Roggen, Mais, Reis …
  • Meeresalgen

Beta-Glukane in Pilzen: komplexere Moleküle

Die Beta-Glukane in Pilzen und bestimmten Cerealien besitzen besondere chemische Eigenschaften. Ihre Hauptkette verfügt über β-(1,3)-Verbindungen und Verzweigungspunkte des Typs β-(1,6). In verschiedenen Studien wurde festgestellt, dass diese verzweigte Struktur von Bedeutung für die Wirkung der Beta-Glukane auf das Immunsystem ist.

Analysen der bei Hifas da Terra kultivierten Arten weisen einen Gehalt an Beta-Glukanen von knapp 50 % auf.→

Andere bedeutsame strukturelle Aspekte in Bezug auf die Aktivität von Beta-Glukanen sind:

  • Löslichkeit: eine bessere Löslichkeit begünstigt eine höhere Aktivität.
  • Molekülgröße: je höher das Molekulargewicht, desto höher die potenzielle Aktivität.
  • Verzweigungspunkte: Verzweigungspunkte des Typs β-(1,6).
  • Verzweigungsform: Die durch eine Dreifachhelix gekennzeichnete Struktur der Glukane in Pilzen ist von Bedeutung für deren immunstimulierende Wirkung. Die Beta-Glukane in Algen besitzen hingegen eine lineale Struktur.
Wie wirkt Beta-Glucan
Molekulare Wirkung von Beta-Glukan: Sie binden an Immunzellen wie Makrophagen an Rezeptoren (TLR-2, -4, -6 und Detectin) und bewirken eine Aktivierung der Immunzelle. Dies führt zu einer gesteigerten Immunkompetenz und einer gesteigerten Aktivität gegenüber Krankheitserregern.

Wie lassen sich Beta-Glukane einnehmen?

Wie bereits erläutert, kommen Beta-Glukane in Nahrungsmitteln unserer täglichen Ernährung vor. Man kann sie allerdings auch in Form von Nahrungsergänzungsmitteln mit einer optimalen Konzentration der aktiven Inhaltsstoffe zu sich nehmen, die der oben erwähnten therapeutischen Dosis entspricht. In jedem Fall erfolgt die Verabreichung überwiegend oral, was die folgende Frage aufwirft: Wie kommt es zu einer Wechselwirkung mit dem Immunsystem?

Gastrointestinaltrakt

Insgesamt 70 – 80 % aller menschlichen Immunzellen befinden sich in der Darmschleimhaut. Diese gehört neben den Nasengängen und der Haut zu den Haupteintrittspforten bei Kontakt mit Krankheitserregern. Die Lokalisation von Immunzellen im Verdauungstrakt ermöglicht außerdem die Resorption oral verabreichter Beta-Glukane und ihren Transport in Milz, Lymphknoten und Knochenmark, wo sie durch Interaktion mit den Immunzellen dazu beitragen, die Immunantwort zu aktivieren.

Wie in anderen Artikeln dargelegt, agieren Pilze unter anderem als Präbiotika. Sie regen das Wachstum der Darmflora an und wirken damit günstig auf den Organismus.

Beta-Glukane und Immunsystem

Für einige Polysaccharide und Proteoglykane, die aus Heilpilzen wie dem Mandelpilz isoliert wurden, konnte eine antitumorale Wirkung nachgewiesen werden. In einer immunologischen Studie stellte man fest, dass eben dieser Pilz mit dem wissenschaftlichen Namen Agaricus blazei nachweislich ein therapeutisches und präventives Potenzial besitzt.

Die Pilze Maitake, Reishi und Shiitake besitzen ebenfalls Beta-Glukane, von denen eine antitumorale Wirkung bekannt ist.

Die antitumorale Wirkung von Beta-Glukanen kommt zum einen durch eine pro-apoptotische Wirkung – in Krebszellen wird eine Selbstmord-Reaktion ausgelöst. Zum anderen führt eine gesteigerte Immunaktivität nach Beta-Glukan-Gabe zu einer effektiveren Erkennung und Bekämpfung von Tumorzellen durch das Immunsystem.

Was zeichnet die Beta-Glucane der Pilze aus?

Beta-Glukane und Allergien

Darüber hinaus liegen Studien zu Beta-Glukanen vor, in deren Rahmen neben den antitumoralen Wirkungen auch die Wirkung dieser Polysaccharide auf Allergien und die damit verbundenen Symptome beurteilt wurde: Von Rhinitis, Konjunktivitis, über Juckreiz in Augen und Rachen, Nasenlaufen und Husten bis hin zu Müdigkeit und allgemeinem körperlichen Unwohlsein.

Wie im Abschnitt LERNINHALTE unserer Website erläutert, verstärkt unser Organismus bei einer allergischen Reaktion die Abwehrmechanismen. Aus dem gewohnten dynamischen Gleichgewicht, auch als Homöostase bezeichnet, entwickelt sich eine überschießende Reaktion der Th2-Zellen, oder proinflammatorischer Status, bei der verschiedene chemische Prozesse ausgelöst werden, u. a. die Freisetzung von Histamin, welches die oben genannten Symptome hervorrufen kann.

Eine 2013 in der Fachzeitschrift Food Science & Nutrition veröffentlichte Studie beschreibt die Ergebnisse einer randomisierten vierwöchigen Studie, bei der eine Versuchsgruppe eine Rezeptur mit Beta-Glukanen erhielt. Im Vergleich mit der Placebo-Gruppe berichteten die Probanden bei Einnahme von Beta-Glukanen folgende Verbesserungen:

  • Allgemein verminderten sich Allergiesymptome um 28 %
  • der Schweregrad der Allergiesymptome verringerte sich um 52 %

In Bezug auf das allgemeine Wohlbefinden stellte die Gruppe, die das Studienpräparat erhielt, außerdem eine Verbesserung des emotionalen Wohlbefindens, der körperlichen Gesundheit und des Energieniveaus fest. Im Hinblick auf die Minderung der Symptome im Zusammenhang mit allergischen Prozessen ist v. a. Folgendes zu nennen:

  • Schlaflosigkeit verminderte sich um 53 %
  • Reduktion der Augensymptomatik und der Augenschleimhautsymptome (tränende, gerötete, juckende Augen …) um 57 %
  • Juckreiz, überschießende Schleimbildung und andere nasale Symptome verminderten sich um 50 % (Nasenlaufen, Juckreiz, Niesen, verstopfte Nase …)

Insgesamt bedeuteten diese Verbesserungen den Berichten zufolge eine Verbesserung der Lebensqualität der Allergiepatienten um 56 %.

Modifizierte biologische Reaktionen bei Krebs

Die Fähigkeit der Beta-Glukane zur Stimulierung von Immunzellen, wie etwa Makrophagen, Neutrophile und natürliche Killerzellen (NK-Zellen), resultierte in neuen klinischen Anwendungen, bei denen diese Stoffe als Adjuvanzien zur Verbesserung der Effektivität stationärer Behandlungen angewendet werden, in erster Linie aufgrund ihres antikarzinogenen Potenzials.

Einige Studien weisen darauf hin, dass Beta-Glukane der Onkogenese vorbeugen und, aufgrund ihrer Wirkung auf Immunzellen, außerdem das Wachstum und die Verbreitung von Tumoren hemmen können. Begleitend zu einer Chemo- oder Strahlentherapie spielen Beta-Glukane nachweislich eine positive Rolle bei der Normalisierung der Erythrozyten (Hämatopoiese) nach Knochenmarkschädigung.

Beta-glucane

Dyslipidämie, Hypertonie und Adipositas

Der funktionelle Nutzen von Ballaststoffen ist in einer Vielzahl von Studien belegt. Verschiedene wissenschaftliche Arbeiten dokumentieren darüber hinaus den Nutzen der Beta-Glukane in Bezug auf spezifische Aspekte der kardiovaskulären Gesundheit, wie beispielsweise Dyslipidämie (schlechte Blutfettwerte), Hypertonie (Bluthochdruck) und Adipositas (Fettleibigkeit).

Wie bereits erläutert stellen die Löslichkeit der Beta-Glukane in Wasser und ihr Molekulargewicht Determinanten für ihre Wirkung auf das Immunsystem dar. Beides steht ebenfalls im Zusammenhang mit ihrer Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System und insbesondere ihrer cholesterinsenkenden Wirkung.

Diese kurze Übersicht über die Eigenschaften der Beta-Glukane vermittelt eine Vorstellung von den therapeutischen Anwendungsmöglichkeiten der Nahrungsmittel, die diese enthalten, aber auch von den Chancen in Bezug auf die Entwicklung neuer Therapien im Bereich der Gesundheitsfürsorge und – konkret – zur Unterstützung unseres Immunsystems und Herz-Kreislauf-Systems.

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