Anlässlich des Nationalen Tages der Multiplen Sklerose, der jedes Jahr am 18. Dezember begangen wird, ist es sinnvoll, die Informationen über diese chronische neurologische Erkrankung zu aktualisieren, die in Spanien weiterhin erhebliche Auswirkungen auf das Gesundheitswesen, die Gesellschaft und das Berufsleben hat.
Laut dem spezifischen Dokument des spanischen Gesundheitsministeriums zur Versorgung von Menschen mit Multipler Sklerose im Rahmen der Strategie des nationalen Gesundheitssystems für neurodegenerative Erkrankungen leben in Spanien schätzungsweise 58.510 Menschen mit Multipler Sklerose. Die durchschnittliche Prävalenz liegt bei 123 Fällen pro 100.000 Einwohner, die jährliche Inzidenz bei 4,2 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Dies entspricht rund 1.900 Neudiagnosen pro Jahr beziehungsweise etwa 158 pro Monat. Darüber hinaus sind 68 % der diagnostizierten Personen Frauen, und das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei etwa 32 Jahren.

Die Spanische Gesellschaft für Neurologie warnt ebenfalls vor den zunehmenden gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen der Erkrankung. Sie weist darauf hin, dass Multiple Sklerose meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auftritt, Frauen häufiger betrifft und zu den häufigsten Ursachen neurologischer Behinderungen bei jungen Erwachsenen zählt.
Multiple Sklerose ist eine chronische Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems, die entzündlich, demyelinisierend und neurodegenerativ verläuft. Dabei greift das Immunsystem Strukturen des Gehirns und des Rückenmarks an, insbesondere das Myelin – eine Substanz, die die Nervenfasern umhüllt und schützt. Wird das Myelin geschädigt, kann die Weiterleitung von Nervenimpulsen beeinträchtigt, verlangsamt oder blockiert werden. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation kann die Erkrankung kognitive, emotionale, motorische, sensorische und visuelle Funktionen beeinträchtigen.
Ursachen und Risikofaktoren der Multiplen Sklerose
Obwohl die genauen Ursachen bislang nicht bekannt sind, deuten aktuelle Erkenntnisse darauf hin, dass es sich um eine multifaktorielle Erkrankung handelt, bei der genetische, umweltbedingte und lebensstilbezogene Faktoren zusammenspielen. Das spanische Gesundheitsministerium nennt als damit verbundene Faktoren unter anderem eine geringe Exposition gegenüber ultravioletter Strahlung, niedrige Vitamin-D-Spiegel, bestimmte frühere Infektionen – insbesondere durch Herpesviren wie das Epstein-Barr-Virus –, Rauchen, Adipositas und Bewegungsmangel.
Niedrige Vitamin-D-Spiegel werden mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Multiplen Sklerose sowie mit einem höheren Rückfallrisiko nach der Diagnose in Verbindung gebracht.
Häufigste Symptome der Multiplen Sklerose
Multiple Sklerose ist eine sehr heterogene Erkrankung: Die Symptome unterscheiden sich von Person zu Person, können sich im Laufe der Zeit verändern und hängen davon ab, welche Bereiche des zentralen Nervensystems betroffen sind. Zu den häufigsten Beschwerden zählen Fatigue, Sehstörungen, Muskelschwäche, Schwierigkeiten beim Gehen, Steifigkeit, Muskelkrämpfe, Kribbeln, Taubheitsgefühle, Gleichgewichtsstörungen, Blasenprobleme, emotionale Veränderungen sowie kognitive Symptome wie Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisprobleme oder eine verlangsamte Informationsverarbeitung.
Die heutige Versorgung stützt sich auf eine frühzeitige Diagnose, eine fachärztliche neurologische Betreuung, krankheitsmodifizierende Therapien, sofern sie angezeigt sind, eine gezielte Behandlung der Symptome, körperliche und kognitive Rehabilitation, psychologische Unterstützung sowie eine multidisziplinäre Betreuung. Die Europäische Arzneimittel-Agentur bewertet Therapien gegen Multiple Sklerose in mehreren Bereichen: Beeinflussung des Krankheitsverlaufs, Behandlung von Schüben, Reparatur oder funktionelle Wiederherstellung sowie Linderung der Symptome.
Neue Forschungsansätze bei Multipler Sklerose
LDie Forschung zur Multiplen Sklerose schreitet in mehreren Bereichen voran. Das spanische Gesundheitsministerium nennt unter anderem immunologische, genetische, neurobiologische, umweltbezogene und epidemiologische Forschungsansätze sowie die Neurorehabilitation. Zu den besonders interessanten Themenfeldern zählen die Regeneration von Myelin, Neuroprotektion, Biomarker, die Rolle des Epstein-Barr-Virus, Umweltfaktoren, Vitamin D und das Darmmikrobiom.
Das Darmmikrobiom gehört zu den aufstrebenden Forschungsgebieten. Es wird untersucht, da es mit dem Immunsystem interagieren und an entzündlichen oder entzündungshemmenden Reaktionen beteiligt sein könnte. Obwohl eine gezielte Beeinflussung des Mikrobioms als mögliche zukünftige Therapiestrategie diskutiert wird, weist das Dokument des spanischen Gesundheitsministeriums darauf hin, dass derzeit noch nicht genügend Studien vorliegen, um dies mit Sicherheit bestätigen zu können.
Warum wird im Zusammenhang mit Multipler Sklerose über bestimmte Pilze in Reinform gesprochen?
In den vergangenen Jahren ist das Interesse an bestimmten Pilzen und Pilzextrakten aufgrund ihres Gehalts an Polysacchariden, Beta-Glucanen und weiteren bioaktiven Verbindungen gestiegen. Einige Speisepilze, wie Shiitake oder Austernpilze, können Teil einer ausgewogenen Ernährung sein und Ballaststoffe mit potenziell präbiotischer Wirkung liefern. Im Zusammenhang mit Multipler Sklerose ist es jedoch wichtig, Aussagen zu vermeiden, die den Eindruck erwecken, Pilze könnten die Erkrankung behandeln, verlangsamen oder rückgängig machen.
Zu Hericium erinaceus, auch bekannt als Löwenmähne, liegen präklinische und in vitro durchgeführte Studien vor, die mögliche Wirkungen auf Zellen untersuchen, die an der Myelinisierung beteiligt sind. So beschreiben beispielsweise in wissenschaftlichen Datenbanken der NIH veröffentlichte Forschungsarbeiten Effekte von Hericium-Extrakten oder daraus gewonnenen Verbindungen auf die Reifung von Oligodendrozyten und auf Myelinmarker in experimentellen Modellen. Dieser präklinische Forschungsansatz im Bereich der Neuroprotektion ist von großem Interesse und dürfte in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden.
Fazit
Multiple Sklerose ist eine komplexe, chronische und heterogene Erkrankung. Ihre Prognose hat sich in den vergangenen Jahrzehnten jedoch dank früher Diagnosen, einer verbesserten Verlaufskontrolle und der Verfügbarkeit krankheitsmodifizierender Therapien verändert.
Neue Forschungsansätze – darunter Vitamin D, das Epstein-Barr-Virus, das Mikrobiom, Biomarker, Neuroprotektion und die Regeneration von Myelin – eröffnen vielversprechende Perspektiven. Bis belastbarere Daten vorliegen, ist jedoch weiterhin Vorsicht geboten.